Plazenta – Rundumversorgung des Babys

Der Plazenta, auch Mutterkuchen oder Lebensbaum genannt, kommt während der Schwangerschaft eine zentrale Rolle zu: die der Versorgung des Kindes im Mutterleib. Sie ist ein extra für die Schwangerschaft angelegtes Organ, das aus jeweils einem kindlichem und einem mütterlichen Teil besteht und während der knapp 40 Wochen auf einen Durchmesser von 15 bis 25 Zentimeter heranwächst und um die 500 Gramm schwer wird. Ist das Kind geboren, hat sie ihre Aufgabe erfüllt und wird als Teil der Nachgeburt, zusammen mit den Eihäuten und der Nabelschnur, ausgeschieden.

Die Plazenta entsteht in den ersten Wochen der Schwangerschaft, wenn sie sich aus einem Teil der Keimblase, die durch die Teilung der befruchteten Eizelle entstanden ist, bildet und erlangt in der 14. SSW ihre endgültige Form, auch wenn sie im weiteren Schwangerschaftsverlauf dicker und von der Fläche her größer wird. Ihre Form entspricht in der Regel einer Scheibe, sie kann aber auch gelappt, geteilt, mit Nebenlappen oder als eine Art Gürtel geformt sein.

Wo genau der Mutterkuchen in der Gebärmutter seinen Platz findet, ist von Frau zu Frau verschieden. Siedelt er sich an der vorderen Gebärmutterwand an, steht im Mutterpass die Abkürzung VW für Vorderwandplazenta. Von einer Hinterwandplazenta spricht man, wenn sie sich an der hinteren Wand der Gebärmutter befindet. Der Begriff Plazenta praevia bezeichnet einen Umstand, bei dem der Mutterkuchen nicht richtig liegt, beispielsweise wenn er den Muttermund teilweise oder komplett verdeckt. Allerdings kann die Plazenta ihre Position auch noch verändern, wenn sie z.B. zuerst recht tief sitzt, später dann aber nach oben wandert. Bleibt sie jedoch vor dem Muttermund, ist eine vaginale Geburt nicht mehr möglich und das Baby muss per Kaiserschnitt geholt werden.

Neben der Ernährung des Ungeborenen, während der Nährstoffe, Vitamine, Sauerstoff und Wasser aus dem mütterlichen Blut in den kindlichen Kreislauf gelangen, werden umgekehrt die Abfallprodukte des Babys mithilfe der Plazenta über den mütterlichen Blutkreislauf ausgeschieden. Eine zweite Hauptaufgabe der Plazenta ist die Bildung von Hormonen, die während der Schwangerschaft benötigt werden und bei der Mutter für das Wachstum der Brüste und die Milchbildung sorgen, durch Fette ihre Energieversorgung gewährleisten oder verhindern, dass die Muskelschicht des Uterus mitsamt der befruchteten Eizelle abgestoßen wird. Außerdem hält sie viele schädliche Stoffe und Krankheitserreger vom kindlichen Kreislauf fern und stellt Immunstoffe für die Infektionsabwehr her. Zum Ende der Schwangerschaft produziert sie sogar einen Teil der Hormone, die die Wehen auslösen und so die Geburt in Gang setzen. Eine rundherum tolle Sache so eine Plazenta!

Hat sie mit der Geburt des Babys schließlich ausgedient, wird sie von der Hebamme ein letztes Mal kritisch beäugt, um festzustellen ob evtl. Reste des Mutterkuchens in der Gebärmutter zurückgeblieben sind, die eventuell zu Nachblutungen oder Infektionen führen können. Danach wird die Plazenta eingefroren und als Organmüll verbrannt. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, sie mit nach Hause zu nehmen und sie im Garten zu vergraben. Besonders in Europa ist der Brauch verbreitet an der Stelle, an der der Mutterkuchen vergraben wurde, einen Baum für das Kind zu pflanzen. Im Jemen wird die Plazenta übrigens für die Vögel auf dem Dach des Hauses platziert, um die Liebe der Eltern zu festigen.

[AKH]

Bild: takomabibelot / flickr.com


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