Lotusgeburt
Kurz nachdem das Baby auf der Welt ist, wird als einer der ersten Schritte die Nabelschnur abgebunden und durchtrennt, ein Vorgang, der zumeist vom stolzen Vater mit zittrigen Händen vorgenommen wird. Nicht so bei der Lotusgeburt. Hier verzichtet man einfach auf das Durchtrennen der Nabelschnur, auch wenn diese bereits auspulsiert hat. Die Plazenta bleibt also mit dem Baby verbunden, bis die Nabelschnur von allein abfällt, ein Prozess, der zwischen drei und zehn Tagen dauern kann.
Das Modell der Lotusgeburt geht auf Clair Lotus Day zurück, die in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Routine des Abnabelns in Frage stellte, da sie die Ansicht vertrat, dass die Aura des Kindes eins mit der seiner Plazenta sei und diese sich erst nach der natürlichen Abnabelung voneinander trennten. Also nahm sie ihren Sohn nach seiner Geburt in der Klinik mit intakter Nabelschnur mit nach Hause, wo sie vermutlich dieselben Maßnahmen befolgte, wie sie auch heute für eine Lotusgeburt gelten.
Ist die Plazenta als Teil der Nachgeburt geboren, wird sie in einer Schüssel neben das Baby gelegt, um sie später mit warmem Wasser zu waschen, bis alle Blutklumpen entfernt sind. Trocken getupft wird sie dann in eine Stoffwindel oder ein Tuch gewickelt, das jeden Tag gewechselt wird. Damit kein bakterieller Fäulnisvorgang einsetzt, wird der Mutterkuchen mit Salz, Kräutern oder Kräuterölen eingerieben, um weitere Flüssigkeit aufzusaugen und die Plazenta „haltbar“ zu machen.
Ein selbst genähter Plazentasack erleichtert das Tragen und verringert die Gefahr zu stark an der Nabelschnur, die bereits kurz nach der Geburt beginnt einzutrocknen, zu ziehen. Trotzdem sollte das Baby immer besonders vorsichtig und sanft zum Stillen oder Schmusen hochgehoben werden. Auch empfiehlt es sich in den ersten Tagen Babykleidung zu verwenden, die sich vorne zuknöpfen lässt, um die Nabelschnur gegebenenfalls durchfädeln zu können. Tunlichst vermieden werden sollte natürlich auch jegliches Ziehen an der Nabelschnur, die ganz von alleine abfallen soll.
Laut Befürwortern der Lotusgeburt habe das Kind so die Möglichkeit, sich sanft von der Plazenta zu lösen, da so das Urbedürfnis nach intakter Bindung und uneingeschränkter mütterlicher Ernährung gewahrt bleibe, anstatt dieses mit der Durchtrennung der Nabelschnur brutal zu kappen. Babys mit intakter Nabelschnur seien daher nicht nur ruhiger und entspannter als andere Kinder, sie verlören auch weniger an Geburtsgewicht, neigten weniger zu Gelbsucht und ihnen ginge weniger Plazentablut verloren, das nach der Entbindung im Mutterkuchen zurückbleibe. Zu den weiteren Vorteilen zählten des Weiteren u.a. ein höherer Eisenspeicher, ein stabilerer Blutdruck, weniger Probleme mit dem sogenannten Atemnot-Syndrom, eine verbesserte Blasen- und Nierenfunktion sowie ein höherer Anteil an Stammzellen im kindlichen Blut.
Dies ist allerdings weder medizinisch noch wissenschaftlich belegt und wird auch nicht erforscht, was dazu geführt hat, dass die Lotusgeburt für Viele in den Bereich der Esoterik gehört. Zumal die Nabelschnur dadurch, dass sie nach der Geburt nicht mehr pulsiert und schließlich eintrocknet, kein Blut mehr zwischen Plazenta und Neugeborenem transportieren kann, so dass das Baby also ganz normal gestillt oder mit dem Fläschchen gefüttert werden muss, um seine Nahrungsaufnahme zu gewährleisten.
Interessant ist allerdings der Harmoniefaktor: Da Babys mit intakter Nabelschnur samt Plazenta eine besonders sanfte Pflege benötigen, um die Gefahr des Abreißens der Nabelschnur so gering wie möglich zu halten und sich inklusive Plazentatasche weniger leicht herumreichen und transportieren lassen, müssen Verwandtenbesuche, die das Kind unter Umständen stören oder stressen könnten, erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Dies kommt natürlich der Vater-Mutter-Kindbindung zu Gute, da man sich in den ersten Tagen vollkommen auf sein Baby konzentrieren kann und so die Möglichkeit hat, es ganz besonders intensiv kennenzulernen und zu erleben. Vielleicht ist die größere Entspannung und bessere Entwicklung auch auf diesen wichtigen Aspekt zurückzuführen.
[AKH]
Bild: devinf / flickr.com
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[...] Lotusgeburt: Die Lotusgeburt geht auf die Amerikanerin Clair Lotus Day zurück, die die Routine des sofortigen Abnabelns nach der Geburt in Frage stellte und, nachdem sie ihren Sohn in einem Krankenhaus zur Welt gebracht hatte, diesen mit intakter Nabelschnur mit nach Hause nahm. Bei der Lotusgeburt bleibt also das Neugeborene mit seiner Plazenta verbunden, bis sich die Nabelschnur, die relativ schnell nach der Entbindung eintrocknet, von selbst vom Bauchnabel löst. Dies kann bis zu zehn Tage dauern. Mehr Informationen zum Thema Lotusgeburt findest Du in unserem Artikel zum Thema. [...]